BuiltWithNOF

Es ist schon einige Zeit her, als ich anlässlich meiner Suche nach mir selbst, während eines Klinikaufenthaltes, durch Zufall!? auf dieses Buch mit Ratschlägen für Universumsbestellungen gestoßen wurde. Josephine bemerkte beiläufig, sie hätte ein Buch von ihrer Freundin bekommen, aber könne sich zur Zeit überhaupt nicht darauf konzentrieren, was ich im nachhinein sehr schade finde, aber mir dazu verholfen hat, es ohne weitere großartige Verzögerung in die Hände zu bekommen, und das kleine, aber inhaltsschwere Büchlein, ich saß ohnehin gerade gemütlich auf meiner Lieblingscouch, nach Abschaltung der Umwelt auf einmal zu verschlingen.

Ich war ganz schön beeindruckt, wenn auch skeptisch, aber da es mit meinen Wünschen im Leben nie so ganz überzeugend toll hingehauen hat, dachte ich so insgeheim bei mir, diese außergewöhnliche Alternative mit den Bestellungen wenigstens einmal auszuprobieren, da ich mich ohnehin eins fühle mit dem Universum, na ja, wenigstens manchmal. Aber gut, gesagt, getan, nö, ich brauchte erst einmal etwas Zeit, und verschob die Sache auf den nächsten Tag.

Am nächsten Vormittag, es war nur am regnen, obwohl ich mir ja eigentlich den ebenfalls trüben Klinikalltag mit einem Spaziergang versüßen wollte, da dachte ich, jetzt oder nie, und bestellte, als Ungelernter, völlig gegen die Regel verstoßend, für 45 Minuten „keinen“ Regen!

Nach dem Abschicken der Bestellung, nur ein paar Minuten später, schossen mir die ersten wilden Gedanken durch den Kopf, wie „war das auch präzise genug?“, kann ich vielleicht erst „nächsten Monat?“ spazieren gehen, und es wurde mir sofort ziemlich klar, dass ich die Kreuze nicht unbedingt an der richtigen Stelle gemacht hatte, aber auf der anderen Seite habe ich schon ziemlich viel doll daran geglaubt, denn das kann ich sehr gut, und so dachte ich dann insgeheim, dass bestimmt mein Unterbewusstsein alles fehlende automatisch ergänzt hat.

Tja, was soll ich sagen, zwei Stunden später verlor ich die Nerven, und zog mich an, um trotz des Regens meinen Spaziergang zu machen, als sich plötzlich die Sonne erdreistete, ein wenig verschämt hinter einem Wolkenhaufen hervorzulächeln, und den Ungläubigen einen Narren zu schelten, sich so regenabwehrend eingekleidet zu haben, ich habe mich fast ein wenig geschämt, nee ehrlich!! Dummerweise war ich dann, sicherlich auf Grund meiner Euphorie über den ersten gelungenen Bestellungserfolg, so blöd, die große Spazierschleife zu laufen, und so stand ich nach exakt 45 Minuten wie ein „begossener“ Pudel da, was mich allerdings auch anspornte, die nächste Bestellung exakter abzusenden.

Das war es schon? Nein, weit gefehlt, lieber Leser, denn nun fühlte ich mich veranlasst, mal so richtig zuzuschlagen, und mir auf Grund meiner äußerst akuten finanziellen Probleme einfach mal ein Bündel Geld zu wünschen, was natürlich auch wieder nicht so ganz präzise war, aber im Kopf schwebten mir kurz vor der Bestellung so ca. bescheidene 2.000 € vor, denn die fehlten gerade. Die nächsten 14 Tage rannte ich dann nur noch durch sämtliche mir bekannten Fußgängerzonen und über riesiggroße Parkplätze, natürlich immer mit gebeugtem Kopf, und suchte nach diesem doofen Geldbündel, ohne überhaupt richtig zu wissen, wie es aussieht, mit Gummiband oder Geldklammer, oder eventuell noch mit Banderole!? Aber es war nix aufzufinden, und so schimpfte ich mich selbst, nicht weiter danach zu suchen, sondern nur daran zu glauben, und glauben kann ich ja sehr gut, wie schon bemerkt.

Mittlerweile war ich dann letzte Woche wieder daheim, um das Gelernte zu erproben, was mich wohl hinderte, die Übersicht über meinen Haushalt zu behalten, sodass mir am Samstagnachmittag, kurz vor Ladenschluss, das Toilettenpapier ausging, ... wie banal. Vieles kann ich ertragen, aber dieser Mangel ermutigte mich, meinen Nachbarn und besten Freund zu bitten, mir kurzfristig für einen paar Minuten sein Auto zu leihen, damit ich bei wieder mal strömendem Regen im nahe gelegenen Supermarkt ein paar Rollen des so wichtigen Papiers erstehen könne. Wie immer hatte er nichts dagegen, und schon eilte ich los, und griff nach meinem Hausschlüssel, der irgendwie verhakt doch endlich in meiner Jackentasche landete, wobei vom Tisch ein Stück Papier wie ein welkes Blatt im Herbst herunter segelte, und sich, endlich gelandet, als Lottoschein entpuppte. Schön wär´s, dachte ich, habe aber nur noch 20 €.

Und so steckte ich den Schein dann ein, wieder mal total von meiner Vernunft überzeugt. Letztendlich war das Toilettenpapier auch gar nicht so teuer, also was soll´s denn auch immer  mit diesem blöden Verstand.

Nur vier Stunden später nach dem Aufruf der Seite lotto.de über meinen komfortablen, aber nicht gerade preiswerten DSL-Anschluss durfte ich, selbstverständlich völlig ruhig und weiterhin selbstbewusst, realisieren, dass ich soeben fünf Zahlen in Reihe auf meiner Lottoquittung mit Bleistift eingekreist hatte, was man in Fachkreisen einen Fünfer nennt, ganz zu schweigen von den letzten drei richtigen Ziffern der Lotterie Super6.

Der Gewinn betrug etwa 300 € mehr, als meine unterbewussten 2000 €, aber irgendwie konnte ich auch damit fertig werden, denn meine Bestellung war ja auch in vielerlei Hinsicht nicht so ganz doll präzise gewesen, oder??  (©boonesike.)

 

[Home] [Neues] [Buchvorstellung] [Lyrik] [Weisheiten] [Favoritenlinks] [Experimente] [Gedichte] [Gedichte II] [Universum] [An- & Einsichten] [Geschichten] [Bestellung] [Zweifelnde Fluchten] [Sachen] [Wunsch Frei] [5 Freunde]